Change Modell


CHANGE MODELL DES ESSVERHALTENS

Das Modell stellte eine Integration zweier fundierter und fachlich hoch angesehener Modelle dar:

  • Modell zur Veränderung in Organisationen nach Falzer
  • Modell der Trauerphasen nach Kübler-Ross

Modell der Veränderung: Um erfolgreiche Veränderungen zu gestalten ist die Phase der Akzeptanz ausschlaggebend. Erst mit der Akzeptanz des IST-Zustandes, ist eine Mobilisierung von Energie und der Blick nach vorne möglich

Modell der Trauerphasen: Es sind nicht nur negative Aspekte des Essverhaltens, die im Zuge des Kurses abgelegt werden. Jede Verhaltensweise, jedes Muster hat auch positive Aspekte. Emotionales Essen ist zwar nicht ideal, erfüllt aber seinen Zweck. Mit dem Ablegen einer Verhaltensweise, werden ihre negativen und positiven Aspekte abgelegt. Es darf darum getrauert werden.

Es ist gar nicht so wichtig für dich, dich ganz genau einzuordnen. Es geht vielmehr darum, dass du einen Überblick über deinen Prozess hast. Die Phasen laufen nicht linear ab. Ein Vor- und Zurückspringen ist im Prozess wahrscheinlich und sogar erwünscht, um die einzelnen Phasen gut abzuschließen.

Trauerphase

Am Beginn steht, die Phase der Trauer, in der der Abschied vom bisherigen Essverhalten verarbeitet wird. Die Akzeptanz setzt unglaublich viel Energie frei und ist damit der Wende- und Startpunkt für die Veränderung. Anders als üblich angenommen, bedeutet Akzeptanz nicht „feststecken“, sondern Bewegung und Veränderung. Mit der Akzeptanz wird die Aufmerksamkeit auf das JETZT gelenkt und damit weg von dem DANN der dünnen Zukunft. Satt „wenn ich dann dünn bin…“ erfolgt ein „ich bin JETZT“. Trauern? Hä? Das mag eventuell komisch klingen ABER Diäten oder Ernährungsregeln haben auch ihre Vorteile. Sie geben eventuell Sicherheit. Sie sind so etwas wie dein Sicherheitsgurt, an den du dich klammerst. Außerdem vermitteln sie Hoffnungen. Diäten abzulegen heisst auch diese Hoffnungen und diese scheinbaren Sicherheiten abzulegen.

Beispiele

  • Der tägliche Gang auf die Waage, gibt dir einen Hinweis darauf ob du dich in deinem Sicherheitsbereich befindest. Die Waage abzulegen bedeutet, dass du eventuell nicht mehr weisst „mache ich es richtig“?
  • Ernährungsregeln abzulegen heisst, dass du eventuell komplett überfordert bist und gar nicht mehr weisst wie viel du essen kannst
  • Hoffnung ablegen, die Traum Body Figur in den nächsten 4 Wochen zu erreichen

Bestimmt fallen dir noch weitere Dinge ein. Sei geduldig mit dir, wenn du die Tools nicht sofort ablegen kannst. Immerhin bringen sie dir auch Vorteile, zumindest scheinbar in der jeweiligen Situation.

Sich damit abzufinden, dass Diäten nicht funktionieren, ist ein Abschied. Abschied von der Hoffnung, jemals einen dünnen, schlanken Körper und ein glückliches Leben zu führen. Dieser Abschied führt uns durch verschiede Phasen, bevor wir bereit sind, das gezügelte Essen endgültig abzulegen. Diese Trauerphase ist absolut notwendig und wird gerne vergessen oder unterschätzt. Es wird ständig auf die Vorteile von AE oder IE hingewiesen und der Verlust wird ignoriert. Ein großer Fehler. Du darfst und sollst trauern, um das was eventuell nicht sein wird.

Am Anfang steht ein innerer Kampf. Das Diäten nicht funktionieren würden, wird geleugnet. Es gibt noch Hoffnung, dass es eines Tages klappen würde. Dazu kommt Zorn auf sich selbst. Das Gefühl keine Macht und Kontrolle über die Disziplin zu haben, ist lähmend. Selbstgespräche haben folgenden Tonfall: „Du bist einfach zu dumm, zu schwach oder undiszipliniert sei, es einfach nicht zu schaffen.“ Die letzte Kraft wird zur Verhandlung genutzt: „Bitte bitte, noch ein einziges Mal! Nur noch ein letztes Mal, du musst das schaffen! Gleichzeitig ist keine Kraft mehr daum in eine neue Zügelung zu starten. Eine Zwickmühle, die ermüdet. Der Tiefpunkt rückt näher.

Akzeptanz

Der Tiefpunkt ist erreicht. Trauer rückt in den Hintergrund, Depressivität steht im Vordergrund. Hoffnungslosigkeit und Energielosigkeit stehen im Vordergrund. Frau/Mann kann einfach nicht mehr! „Ich kann nicht mehr Diäthalten“,  „Das macht ja alles keinen Sinn, ich werde niemals …“, „Ich will einfach keine Zügelung mehr“ …

Die Akzeptanz ist gekennzeichnet durch ein Annehmen der Situation, keine Diät mehr zu machen. „Es ist okay“ steht im Vordergrund. Das setzt Energie frei. All die Energie, die vorher in Diäten und Zügelung investiert wurden, kann nun anderweitig eingesetzt werden. Neue Motivation breitet sich aus. Es ist der Wendepunkt in der Essgeschichte.

Veränderung

Diese Motivation wird dazu genutzt, Neues auszuprobieren. Diese Veränderung besteht aus mehreren Stadien:

  • Motivation: Voller Schwung geht es in das neue Vorhaben.
  • Enthemmung & Beweise sammeln: Alles wird gegessen, meist viel von vorher Verbotenem. In dieser Phase ist es ganz normal, dass du das Gefühl hast, du möchtest nur noch Süßes essen.

Das halt folgende Gründe:

  • Du hast alle Diätregeln hinter dir gelassen
  • Damit findet eine Enthemmung satt und du isst viel von den sonst verbotenen Lebensmitteln. Das gibt sich aber durch „Gewöhnung“ rasch wieder
  • Der Körper hat seinen Energieverbrauch durch Diäten und gezügeltes Essen gedrosselt. Daher nimmst du gerade mehr Energie auf, als du verbrennst. Halte durch! Denn schon bald, reguliert sich der Stoffwechsel neu und dein Körper beginnt wieder mehr zu verbrennen.
  • Stabilisierung: Das Essverhalten pendelt sich ein. Es gibt ein paar Schritte vorwärts- und Rückwerts. Nach dem vorherigen Hoch kommt auch eine Tiefphase, die jedoch gar normal ist: Denn intuitives & achtsames Essverhalten ist ein Weg. Kennst du das Sprichwort „der Weg ist das Ziel“? Das trifft hier auf jeden Fall zu. Man lernt niemals aus.
    • Das Gewicht pendelt sich auf einem neuen Niveau ein
    • Das Niveau kann höher liegen als Vorher
    • Langfristig wird sich das Gewicht regulieren, wenn du am achtsamen und intuitiven Essverhalten fest hältst
    • Ob dein Gewicht gleich bleibt, höher oder niedriger wird, kann man nicht voraus sagen. Das hängt von vielen Faktoren ab.

Das eigene Essverhalten wird neu betrachtet. Ein neues Körpergefühl wird entdeckt. Es kommen immer mehr Erfolgserlebnisse. Situationen im Alltag werden als „Lernmomente gesehen“ anstatt als „Fehler“ oder „Rückschläge“. Man lernt sich völlig neu kennen. Entwickelt ein völlig neues Gefühl gegenüber dem eigenen Körper. Neue Verhaltensweisen werden immer mehr zur Gewohnheit. Schlussendlich ist das neue Essverhalten und das neue Körpergefühl ein fester Teil des neuen ICHs. Es gibt andere Ziele und die Erkenntnis, dass es so viel mehr im Leben gibt, als Zügelung und Verzicht wirken beflügelnd und bestärkend.